Boreout

Wenn die Langeweile dich stresst

Hast du schon mal etwas von “Boreout“ gehört? Was so ähnlich klingt wie das scherzhafte Gegenteil von Burnout, ist seinem Namensverwandten tatsächlich gar nicht so unähnlich. Statt Überforderung im Job, ist es beim Boreout Unterforderung, die den Stress verursacht. Gestresst aus Langeweile? Was es damit auf sich hat und was du gegen die Lethargie im Job unternehmen kannst, erfährst du hier.

To grow people need to be challenged

Adam Grant

Menschen mit Boreout fühlen sich im Job niedergeschlagen, antriebslos und leiden mitunter auch unter körperlichen Beschwerden wie beispielsweise Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Kopfweh oder Magen-Darm-Leiden.  Ähnlich wie bei einer Depression, neigen Betroffene dazu sich zu isolieren. Auch nach der Arbeit können sie sich nicht mehr zu Aktivitäten motivieren, die ihnen früher einmal Spaß gemacht haben. Sie fühlen sich unausgeglichen und mit der Allgemeinsituation unzufrieden.

Wortwörtlich übersetzt bedeutet Boreout so viel wie „ausgelangweilt sein“. Während sich ein bisschen wohl dosierte Langeweile durchaus positiv auf kreative Schaffensprozesse auswirkt, kommen bei einem Boreout noch die beiden Faktoren Unterforderung und Desinteresse dazu. Bestimmte Einflüsse begünstigen diese Faktoren: Zum Beispiel wenn der Job nicht zur eigenen Persönlichkeit passt, die Arbeitsauslastung zu hoch ist und man daher Aufgaben nur oberflächlich erledigen kann. Auch Überqualifizierung und eine zu niedrige Entlohnung wirken sich negativ aus. Menschen mit Boreout kommen auf der Arbeit selten in den Zustand von „positiven Stress“, der immer dann entsteht, wenn eine Aufgabe fordernd, aber machbar zugleich ist.

Erste Anzeichen

Fragst du dich gerade, ob auch du unter einem Boreout leiden könntest? Wenn viele der folgenden Aussagen auf dich zutreffen, könnte dies der Fall sein:

Du erledigst während der Arbeitszeit immer wieder Privates oder chattest exzessiv mit Kollegen.

Du hast kein Interesse an deiner Arbeit, langweilst dich und hast das Gefühl dein Potential nicht voll auszuschöpfen.

Du täuschst anderen vor viel zu tun zu haben.

Wenn du abends nach Hause kommst, bist du erschöpft – auch wenn der Arbeitstag objektiv nicht stressig war.

Du empfindest deine Tätigkeit als sinnlos und fühlst dich unglücklich.

Du arbeitest absichtlich langsamer und brauchst für einzelne Jobs viel länger als nötig.

Am liebsten würdest du etwas ganz anderes arbeiten, aber du scheust die Risiken, die damit einhergehen (z.B. finanziellen Rückschritt).

Während Burnout –  ein fancy Wort für „Depression aufgrund von Überlastung“ – in unserer Gesellschaft größtenteils positiv konnotiert ist („Da hat jemand sich so leidenschaftlich für seine Arbeit eingesetzt, dass er ausgebrannt ist.“) und paradoxerweise sogar noch auf Bewunderung trifft, mutet das Boreout eher negativ an. Wer gibt schon gerne zu, unausgelastet oder gelangweilt zu sein? Man möchte sich schließlich nicht nachsagen lassen, faul zu sein. Tatsächlich sind weitaus mehr Menschen davon betroffen, als angenommen. Laut einer Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin fühlen sich 11 % der Deutschen im Job dauerhaft unterfordert. Insbesondere Arbeitnehmer in Deutschland, laufen Gefahr ein Boreout zu erleiden, denn im internationalen Vergleich gibt es hier strengere Vorgaben bzgl. der Arbeitszeiten. Viele deutsche Arbeitgeber setzen Anwesenheit immer noch stupide mit Produktivität gleich. Boreout-Betroffene neigen daher dazu, Arbeit vorzutäuschen, indem sie absichtlich besonders lang im Büro bleiben und auffällig laut in die Tastatur tippen. Starre Vorschriften schränken den eigenen Handlungsspielraum ein. Wer frei entscheiden kann, wann und wo eine Aufgabe erledigt werden soll, kann sein Pensum dem tatsächlichen Workload anpassen und bewusst für mehr Abwechslung sorgen. Flexible Arbeitszeitmodelle mit Gleitzeit oder Homeoffice sind da ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber auch unabhängig von den arbeitstechnischen Rahmenbedingungen, denen du ausgesetzt bist, gibt es Einiges, das du tun kannst, um deine Situation zu verbessern.

So kannst du das Boreout besiegen

Dokumentiere deine Langeweile

Du hast eingesehen, dass du womöglich unterfordert bist? Super, das ist der erste Schritt, um das Problem aktiv anzugehen. Dazu brauchst du mehr Details: Achte zunächst bewusst darauf, was dich genau langweilt. Mit was genau verbringst du deine Zeit auf der Arbeit? Wie schnell erledigst du deine Aufgaben? Wie oft schindest du nur Zeit, nur um beschäftigt zu wirken? Was macht dir an deinem Job noch Spaß bzw. was nicht?

Sprich proaktiv mit deinem Chef

Mit diesen neuen Insights bist du perfekt gerüstet für ein Gespräch mit deinem Chef. Ergreife Eigeninitiative und mache dir im Vorfeld Gedanken, welche anderen Aufgabenbereiche dich interessieren und für dich in Frage kommen. Dass du gefordert bist und Spaß an der Arbeit hast, ist auch im Interesse deiner Vorgesetzten. Man muss nicht immer gleich die Firma wechseln – oft gibt es auch intern die Möglichkeit z.B. die Abteilung zu wechseln. Auch Weiterbildungen können helfen wieder Schwung in deinen Berufsalltag zu bringen.

Gestalte dein magisches Dreieck aus Sinn, Zeit und Geld

Für gewöhnlich sind diese drei Faktoren maßgeblich beteiligt an deiner Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Eins alleine macht nicht glücklich – wichtig ist die richtige Balance zu finden aus einer sinnvollen Aufgabe, genügend Freizeit für ein erfüllendes Privatleben und einer guten Entlohnung. Wenn du z.B. gerade den Job nicht wechseln willst/kannst, weil du auf das Geld nicht verzichten kannst, versuche deine Freizeit aktiver zu gestalten. Durch Sport gleichst du die Glückshormone aus, die dir auf der Arbeit fehlen.

Ziehe Konsequenzen

Trotz neuer Aufgabenfelder hat sich an deiner Lage nichts oder nur wenig geändert? Dann solltest du nicht an diesem Arbeitsplatz verharren – dafür ist deine Lebenszeit zu kostbar und bis zur Rente ist es schließlich noch ein bisschen hin. Suche dir aktiv eine neue Herausforderung: Neuer Job, neuer Arbeitgeber, Weiterbildung, Studium oder vielleicht sogar dein eigenes Business? Es liegt in deinen Händen.

Bilde dich weiter

Wenn du während der Arbeitszeit unterfordert bist, hast du immer noch die Möglichkeit deine Freizeit aktiv zu gestalten und dich nicht nur körperlich, sondern auch intellektuell auszupowern. Stillstand auf der Arbeit bedeutet nicht gleich Stillstand in deinem Leben. Wolltest du nicht immer schon mal portugiesisch lernen? Oder den Uni-Abschluss nachholen, von dem du schon seit vielen Jahren träumst? Jetzt ist der richtige Moment dafür! Mach es einfach! Das Tolle daran: die neuen intellektuellen Herausforderungen halten nicht nur deine grauen Zellen auf Trab – sie machen sich mitunter auch super im Lebenslauf.

Du kannst     
glücklich
   sein

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