Nobody’s perfect

Wieso Perfektion uns nicht weiterbringt

Gut, besser – perfekt? Perfektionismus ist Antreiber und Bremsklotz zugleich. Während er auf der einen Seite anspornt, tolle Leistungen zu erbringen, setzt er auf der anderen Seite unter immensen Druck. Die Folgen können sogar zu Krankheiten führen. Wie du die Zeichen von ungesundem Perfektionismus erkennst und was du dagegen tun kannst, verraten wir dir hier!

Hab keine Angst vor Perfektion. Du wirst sie nie erreichen.

Salvador Dalí

Kennst du das: Den einzureichenden Aufsatz liest du zum zehnten Mal Korrektur und haderst kurz vorm Abschicken der Mail noch immer, ob nicht doch noch ein Fehler drin gewesen sein könnte. Die Mail ist schließlich raus und schon stolpert dein Auge über einen Buchstabendreher im ersten Satz – du erschrickst. Was wird der Prüfer, Kollege oder Chef nun von dir denken?! Die erschütternde Wahrheit ist: wahrscheinlich nichts anderes als vorher auch. Es ist nur dieser ungesunde Perfektionismus, der dich umtreibt.

Die zwei Seiten des Perfektionismus: funktional vs. dysfunktional

Auf der einen Seite ist dein Streben nach Vollkommenheit natürlich ein Ansporn, bestmögliche Ergebnisse zu erzielen und somit auch ein Baustein für deinen Erfolg. Hohe Ansprüche an dich selbst zu stellen führt zwangsläufig dazu, dass du dich intensiver mit deinen Aufgaben auseinandersetzt, als es jemand tun würde, dem seine Ergebnisse schlicht egal sind.

Wenn du nach den besten Ergebnissen strebst, aber gut verkraften kannst, wenn du sie nicht erreichen kannst, nennt man das einen gesunden, funktionalen Perfektionismus. Sobald jedoch das Verfehlen der hohen Ansprüche an dich selbst - oder auch an deine Mitmenschen - zu Leid führt, kippt das Streben nach Vollkommenheit in einen ungesunden, dysfunktionalen Perfektionismus. Die Folgen davon sind alle negativen Symptome, die Stress mit sich bringt - bis hin zu Depressionen und Burn-out.

 

Das sind die Anzeichen von ungesundem Perfektionismus

Die Verknüpfung von Perfektion und Anerkennung

Vielleicht kennst du diesen Gedanken: „Nur wenn ich alles richtig mache, mögen mich die anderen.“ Das ist ein typischer Glaubenssatz eines Perfektionisten, der häufig bereits in der Kindheit gebildet wird. Klar: Wird ein Kind nur gelobt und beachtet, wenn es gute Noten nach Hause bringt, merkt es sich das. Eine Erfahrung, die zu Problemen führen kann: Wenn du deine Leistungen unmittelbar mit dem eigenen Selbstwert verknüpfst, lebst du automatisch in der ständigen Angst, Fehler zu machen und deshalb von deinen Mitmenschen abgewertet zu werden.

Lähmende Angst vor Fehlern

Deine Freundin steht spontan vor der Tür, sie möchte mit dir rausgehen, das schöne Wetter genießen – und schon stehen dir die Haare zu Berge und Schweißperlen zeichnen deine Stirn, denn eigentlich wolltest du gerade noch mal dein Paper checken, das du nächste Woche einreichen musst! Kommt dir das bekannt vor? In ihrem Bemühen um Fehlervermeidung haben Perfektionisten oft ein Problem mit Spontanität, die die sorgsam bedachten Pläne durcheinanderbringt. So brauchen sie auch besonders lange für die Erledigung von Aufgaben – schließlich sollen sie perfekt erledigt werden.

Es gibt nur ganz oder gar nicht

Erschwerend kommt hinzu, dass es für Perfektionisten oft nur Schwarz oder Weiß gibt. Dieser Fokus auf zwei Extreme, der kein Grau dazwischen zulässt, fördert falsche Schlussfolgerungen wie: „Da ich diese Aufgabe nicht geschafft habe, schaffe ich keine Aufgabe.“ Hast du schon mal das Gefühl gehabt, die 2 in einer Prüfung war „nur“ eine 2? Trotz guter Leistung blieb ein Gefühl des Versagens? Perfektionisten sehen bei sich (und auch bei anderen) eher Schwächen als Stärken.

 

So kannst du den Perfektionismus stoppen

Weniger ist mehr: das Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip geht auf den italienischen Ökonom Vilfredo Pareto zurück. In seinen Untersuchungen kristallisierte sich eine 80-20-Regel heraus, die besagt, dass nur 20 % Einsatz zu 80 % des Ergebnisses beitragen. Für die restlichen 20 %, die zu einem 100%igen Ergebnis fehlen, müssten wiederum nochmal 80 % Leistung investiert werden. Für alle Perfektionisten bedeutet das: Weniger ist mehr. Mit weniger Einsatz erreichst du mehr vom gewünschten Ergebnis. Mehr zu tun, ist schlicht ineffizient.

Achtsamkeit: Beobachte dein Denken!

Im Gedankenstrudel des Alltags ist es schwierig, überhaupt zu merken, wenn sich der Perfektionismus wieder in deinen Kopf schleicht. Ein Schlüssel dazu ist Achtsamkeit. Beobachte deine eigenen Gedanken und unterbinde bewusst negative Gedankenschleifen, die dich unter Druck setzen. Kreist dein Geist wieder um die Angst vor möglichen Fehlern oder liest du die E-Mail auf der Suche nach doch noch übersehenen Rechtschreibfehlern zum fünften Mal? Sage dir innerlich: Stopp!

Frage dich: Was könnte im schlimmsten Fall passieren?

Sei realistisch: Was sind die schlimmsten Konsequenzen, die drohen, solltest du nicht das perfekte Ergebnis abliefern – welches du eh nie erreichen kannst? Ist es wirklich so schlimm? Mache dir bewusst, welche vermeintlichen Niederlagen später zu wahren Erfolgen führten – wie die Job-Absage, die dich dazu brachte, dich für einen viel besser zu dir passenden Job zu bewerben. Würde alles in deinem Leben perfekt geplant ablaufen, würdest du vieles, was der Zufall für dich bereithält, verpassen.

Übrigens: Die Angst, aufgrund von Fehlern die Anerkennung von Kollegen oder Freunden zu verlieren, ist zumindest trügerisch, in den meisten Fällen gar haltlos. Tatsächlich empfinden die meisten Menschen solche, die nicht perfekt wirken, als sympathisch. Fehler und Schwächen werden als Zeichen der Authentizität und Echtheit angesehen!

Erkenne deine Erfolge an!

Sei stolz auf deine Leistungen. Wenn du ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hast, feiere das ruhig – auch, wenn dir direkt einfallen sollte, was du noch besser hättest machen können. Da Perfektion ohnehin unerreichbar ist, ist jeder Erfolg nah an perfekt! Ist das nicht ein befreiendes Gefühl?

Befreie dich aus den Schlingen perfektionistischer Ansprüche an dich selbst und gehe entspannter den Weg, der ja letztlich auch das Ziel ist. Verfolge auch während eines berufsbegleitenden Studiums einen gesunden Perfektionismus, erkenne deine Erfolge an und realisiere so, dass du alles sein kannst!

Du kannst     
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