Studieren mit Kind

Zwischen Model-Job, Kita und Hörsaal

Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen. So ähnlich war es auch bei Nina Kirsch. Die 31-Jährige ist schwanger als ihre langjährige Beziehung in die Brüche geht und sie plötzlich auf sich alleine gestellt ist.

Nach dem ersten Schock fasst sie den alles entscheidenden Entschluss sich von der neuen Lebenssituation nicht unterkriegen zu lassen. Motiviert von dem Gedanken, ihrer Tochter ein gutes Leben ermöglichen zu können, beschließt sie allen Schwierigkeiten zum Trotz ihren Traum vom Studium zu verwirklichen.

Als Nina Kirsch erfährt, dass sie Nachwuchs bekommt, hat sie gemischte Gefühle: Da ist die Vorfreude auf das Baby – da ist aber auch die Angst „Schaffe ich das?“. Als alleinerziehende Mutter steht sie vor der großen Herausforderung, Kind und Job unter einen Hut zu bekommen. Der Wahl-Berlinern wird schnell klar, dass der bis dato lukrative Model-Job keine langfristige Option für die Zukunft ist. Nina kämpft mit dem Dilemma vieler Alleinerziehenden: Man benötigt mehr Geld – hat aber gleichzeitig weniger Zeit. „Natürlich hab ich mir im ersten Moment gedacht, ok, das ist eine schreckliche Situation – das war anders geplant.

Letztendlich möchte ich aber TROTZDEM, auch wenn ich alleinerziehend bin, ein schönes Leben mit meiner Tochter haben und meine Träume verwirklichen. Und ein Traum von mir war, dass ich unbedingt nochmal studieren wollte.“.

Bildung als Investition in die Zukunft

Nicht nur die höhere Qualifikation und damit einhergehend ein höheres Gehalt motivieren Nina: Bildung und persönliche Weiterentwicklung sind der alleinerziehenden Mama sehr wichtig. Schon länger hat sie den Wunsch zu studieren, ist aber berufsbedingt so oft auf Reisen, dass ein reguläres Studium nicht in Frage kommt. Als ihre kleine Tochter auf der Welt ist, ist das Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit und Selbstbestimmung stärker denn je. Sie möchte Vorbild sein: „Wenn meine Tochter größer ist, soll sie lernen, dass es im Leben auch mal unvorhergesehene, schwierige Situationen gibt. Aber dass, egal, was passiert, es trotzdem irgendwie weitergeht – dass man sich immer verbessern kann.“

Während die Kleine schläft, recherchiert sie bis tief in die Nacht nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Gesundheitsmanagement. So groß die Auswahl an Studienangeboten online auch ist, so groß ist ihre Enttäuschung. Der Spagat zwischen Vorlesungen und Kinderbetreuungszeiten scheint unvereinbar bis sie auf das Angebot der FOM stößt. „Das berufsbegleitende Studium gibt mir die Möglichkeit Geld zu verdienen, das ich brauche, um meine kleine Familie zu finanzieren und gleichzeitig Zeit mit meiner Tochter zu verbringen.“

Im Alltag angekommen, gibt es für die engagierte Mama dennoch viele Herausforderungen. „Natürlich denkt man sich manchmal: ‚Ich hätte jetzt auch gerne eine perfekt aufgeräumte Wohnung oder wäre perfekt gestylt.‘ Aber den Perfektionismus muss man ablegen.“ Kaum vorstellbar eigentlich als Model. Nina kennt die Vorurteile und schmunzelt: „Ach, so wie auf den Fotos sehe ich doch nie aus! High Heels sind überaus unpraktisch für den Kindergarten“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Nina hat gelernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Priorität Nummer 1 ist immer ihre Tochter. „Wenn die Kleine schläft, konzentriere ich mich aufs Lernen. Egal, wie unordentlich die Wohnung gerade aussieht. Ich komme auch öfters mal zu spät zur Vorlesung, aber ich bin da. In den Klausuren erziele ich selten Bestnoten, aber ich bestehe. Das ist es, was zählt.“ Obwohl die Modeljobs in der Vergangenheit lukrativ für sie waren, möchte Nina ihrer Tochter etwas anderes vorleben. „Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte, aber meine Tochter soll wissen, dass wir unser Geld mit Bildung verdienen und nicht nur durch Oberflächlichkeiten.“

Selbstorganisation und Selbstsorge

Effektives Zeitmanagement ist in Ninas Situation goldwert. In ihrem ersten Semester an der FOM hat sie dazu einen Kurs belegt und vieles davon hilft ihr auch im Alltag. Neben einer guten Selbstorganisation achtet sie bewusst auf ihren Körper und gönnt ihm die nötigen Auszeiten. Wenn es zu viel wird, streicht sie ganz bewusst Punkte von ihrer Agenda und nimmt sich Zeit für kurze Ruhepausen. Dazu gehört regelmäßiger Sport, aber auch mal zehn Minuten für einen kurzen Power-Nap oder ein YouTube Meditations-Video. Dafür fährt sie im Auto auch schon mal spontan zehn Minuten rechts ran. „Als Alleinerziehende ist es natürlich sehr schwierig, sich Auszeiten zu nehmen. Paradoxerweise ist es aber umso wichtiger, denn wenn ich nicht auf mich achte und ausgebrannt bin, nutze ich niemandem mehr etwas: weder meinem Kind, noch meinem Arbeitgeber, noch mir selbst. Unbedingte Grundlage dafür ist allerdings die beste Kinderbetreuung. Da meine Familie nicht in der Nähe wohnt, habe ich lange nach einer Kita gesucht, mit der ich rundum zufrieden war. Wenn ich die nicht hätte, wäre es unmöglich für mich abzuschalten.“

Alleinerziehend studieren:

Meine Tochter ist meine grösste Motivation

Ihr Studium empfindet Nina, trotz der Doppelbelastung, als Luxus und Privileg. Etwas für ihren Geist zu tun und sich weiterzubilden, gibt ihr ein gutes Gefühl. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, für sich selbst sorgen zu können. Finanzielle Unabhängigkeit ist ihr ein echtes Anliegen und sie möchte anderen Frauen Mut machen, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind. „Alleinerziehende werden in unserer Gesellschaft immer noch viel zu oft diskriminiert. Widmet man sich Vollzeit dem Mutter-Dasein gilt man als faul und ungebildet – ist man berufstätig gilt man als Rabenmutter. Von diesen Vorurteilen muss man sich freimachen. Ich kann all den anderen Müttern  da draußen nur raten:

“Gebt eure Träume nicht auf und traut euch! Ihr wollt beruflich eine neue Richtung einschlagen? Macht es! Ihr wollt einen akademischen Titel und eure finanzielle Situation verbessern? Macht es! Ja, es ist schwierig, und ja, es ist chaotisch – aber es geht! Stell dir nur mal vor, wie stolz dein Kind auf dich sein wird, dass du das für euch machst und was du ihm dadurch alles bieten kannst. Drei Jahre Studienzeit sind auf die gesamte Lebenszeit übertragen schnell vorbei – es ist eine Investition in deine Zukunft und die deines Kindes.“

Nina wird nächste Woche 33 und schreibt genau an ihrem Geburtstag eine Klausur. Das Feiern lässt sie sich nicht nehmen und verschiebt die Party zwei Wochen nach hinten. Alles eine Frage des Zeitmanagements. Der Babysitter ist schon organisiert.

Drei Fragen an Nina

1. Was würdest du genau so wieder machen?

Ich würde mich trotz schwieriger Umstände immer wieder für mein Kind entscheiden, und dafür erst zu leben, die Welt zu bereisen und dann erst zu studieren. Die Erfahrungen ermöglichen mir einen besseren Zugang.

2. Was würdest du auf jeden Fall anders machen?

Was würdest du auf jeden Fall anders machen? Ich würde mir mehr Zeit fürs Studium lassen und Prüfungsphasen entzerren, indem ich beispielsweise Termine verschiebe. Es ist keine Schande länger für sein Studium zu brauchen.

3. Was sind deine drei Gründe für ein Studium an der FOM?

Es gibt keine Anwesenheitspflicht.

Das Studium ist berufsbegleitend.

Das Studium ist in Teilzeit möglich. All das ermöglicht mir mehr Zeit mit meinem Kind, sodass ich Privatleben und Studium besser vereinbaren kann.

Du kannst     
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